Wie kann Data Science genutzt werden, um strukturelle Ungleichheiten aufzudecken? In meiner Arbeit versuche ich mithilfe von Daten Geschichten zu erzählen. Mich interessieren klassische Fragen der politischen Ökonomie und der Soziologie: Wie stabilisieren sich ökonomische und politische Systeme gegenseitig? Wie strukturiert Raum soziale Interaktion? Dabei untersuche ich sozio-ökonomische Ungleicheiten in Berlin und Deutschland. Aber auch, wie Machtverhältnisse die Beziehungen zwischen Staaten, Unternehmen und Menschen strukturieren.
Hier findest du eine Auswahl von Artikeln und Projekten an denen ich gerne gearbeitet habe, einen unvollständigen Lebenslauf, einen Kurs zu Kritischer Data Science, den ich an der FU gehalten habe. Und ganz am Ende findest du die Möglichkeit, mich zu kontaktieren. Viel Spaß 👻
Berliner Bildungskrise: Die Klassenfrage. Tagesspiegel,
August 2023 Drei Viertel aller öffentlichen Schulen in Berlin
hatten im Schuljahr 2022/23 zu wenig Lehrkräfte. Sind alle Schüler*innen
gleich betroffen? Oder verschärft die Bildungskrise bestehende
Ungleichheiten? Ich habe Daten zum Personalmangel auf Schulebene
gesammelt und gezeigt, wie der Wohnort die Schulqualität beeinflusst.
Denn wer im falschen Bezirk zur Schule mus, hat schlechtere Chancen auf
eine vernünftige Ausbildung. Die Umsetzung war eine Datenanalyse mit interaktiver
Karte und ein Longread.
Paywall. Screenshot vom Artikel.
Kitanotstand: Wie das System versagt. Correctiv, November
2023. Die deutschen Kitas stehen vor dem Zusammenbruch:
Erzieherinnen vor dem Burnout, Schließungen durch Personalmangel – und
Kinder, die nur verwahrt statt gefördert werden. Tausende
Kita-Mitarbeitende berichten von ihren Erfahrungen. Mit einer
Onlineplattform wurden tausende Kita-Mitarbeitende und Eltern befragt,
welche Folgen der Personalmangel in Kitas für sie hat. Für diesen
Artikel wurden alle 2.005 Antworten von Kita-Mitarbeitenden ausgewertet.
Link zur Recherche
und Themenseite.
Teil des Rechercheteams. No Paywall. Screenshot vom Artikel.
Demo Atlas. Tagesspiegel, Oktober 2023. Wofür wird
in meiner Nachbarschaft demonstriert? Ob Aufmarsch Hunderttausender oder
Ein-Mann-Kundgebung: Im Schnitt gibt es täglich 16 Demos in Berlin. Wer
demonstriert in Ihrer Nachbarschaft – und wofür? Die
Transparenz-Initiative „FragDenStaat“ hat Daten zu Demonstrationen per
Informationsfreiheitsanfrage von der Berliner Polizei erhalten. Das
Tagesspiegel Innovation Lab hat sie ausgewertet und Berlins
Protestlandschaft kartografiert. Link zur Karte
und Analyse.
Teil des Rechercheteams. Keine Paywall. Screenshot vom Artikel.
Neukölln Komplex. Dokumentarfilm. Als
Neukölln-Komplex wird eine rechte Gewaltserie in Berlin-Neukölln
bezeichnet. Dazu zählen seit 2011 über 70 Straftaten, 23 Brandstiftungen
und mindestens zwei Morde auf offener Straße. Für viele Betroffene ist
klar: Ein rechtes Netzwerk mit Verbindungen in Polizei und Justiz
verhindert die Auflärung. Seit 2022 befasst sich mit mit dem Komplex ein
parlamentarischer Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus.
Der Dokumentarfilm entsteht seit Sommer 2021 als Teil einer
Langzeitdokumentation. Co-Regie.
Ich habe außerdem darüber geschrieben wie die EU versucht ihre Außengrenzen auf den afrikanischen Kontinent zu verschieben; wie US-Bundesstaaten Abschiebungen verhindern und wie Donald Trump das versuchte zu untergraben; warum Afghanistan kein sicheres Herkunftsland ist; wieso Matteo Renzi in Italien mit seiner Verfassungsreform gescheitert ist, was die Cinque Stelle möchten und wie ein italienisches Geschwisterpaar Politik und Wirschaft ausgespäht haben; über die Versuche, in Deutschland ein öffentlichen Lobbyregister zu schaffen; wie Russland und die USA Wahlen beeinflussen; warum Menschen in Rümänien gegen Sorin Grindeanus demonstrieren.
Leitfragen. Wie kann quantitative Datenarbeit für
emanzipatorische Wissenschaft genutzt werden? Was sind die
Rahmenbedingungen für eine kritische Auseinandersetzung mit Daten und
quantitativen Methoden?
Der Kurs Kritische Data Science macht Studierende
mit Grundkenntnissen des Programmierens und dem Sammeln, Visualisieren
und Analysieren von Daten in der Scriptsprache R vertraut. Doch das
Sammeln und Analysieren von Daten ist intim mit einer Geschichte von
Diskrimierung, Ausbeutung und Unterdrückung verwoben. Es ist und war vor
allem ein Instrument der Mächtigen: Weiße Kolonialisten, welche die
Produktivität versklavter Menschen überwachten. Polizeien, welche
mithilfe von Algorithmen Unterdrückungsdynamiken verstärken. Daten sind
Macht. Und deswegen widmet sich der Kurs auch einer Analyse von Macht:
Wer zieht die Linie zwischen Information und Datenpunkt? Welche
Perspektiven und politischen Grundsätze sind in Daten eingeschrieben?
Wer produziert Daten über wen? Der Kurs hinterfragt die sozialen
Beziehungen, welche in Daten und computergestützten Methoden der Analyse
eingeschrieben sind durch eine intersektionale, machtkritische Linse.
Und versucht Antworten darauf zu geben, wie Daten aus einer
emanzipatorischen Perspektive genutzt werden können. Dabei widmet sich
der Kurs akademischer Literatur aber auch Projekten aus dem
journalistischen, künstlerischen und aktivistischen Kontext: Bereits
1895 sammelte die schwarze Datenjournalistin und Aktivistin Ida B. Wells
einen Datensatz über Lynchungen schwarzer Menschen in den USA. Der
Datensatz, ergänzt mit Erzählungen zu den Morden konstruiert einen
datengestützten Gegennarrative. Das umfassenste Archiv von Femiziden in
Mexiko stellt nicht die Regierung bereit, sondern die Aktivistin María
Salguero aka Princesa. Und 2020 sammeln Aktivist:innen von Peng! und der
ISD Daten zum kolonialen Vermächtnis deutscher Straßennamen, um ein
“umerinnern” zu bewirken.
Als ein Einführungskurs richtet sich der Kurs
explizit an Studierende ohne Vorkenntnisse in Statistik und
Programmieren. Teilnehmende sollen ermutigt werden ihre eigenen
datengestützten Analysen und Projekte im Kontext ihres
gesellschaftswissenschaftlichen Studiums oder Aktivismus umzusetzen. Der
Kurs soll Raum dafür geben, dass Studierende (wenn sie das möchten) in
der Gemeinschaft ihre Ideen und Projekte präsentieren. Die Arbeit in
Teams ist ausdrücklich erlaubt.
Falls du interessant findest, was ich mache, kannst du dich gerne melden. Schreib mir auf Deutsch, Englisch oder Italienisch unter moritzvalentinomatzner@posteo.net. Meinen öffentlichen PGP-Schlüssel findest du hier. Eine verschlüsselte Nachricht kannst du mir auch über Signal schicken: +49 157 32235320.